Hi,

ein Stück Draht ist eigentlich eine einfache Sache, falsch gedacht. Über Draht sollte man schon ein paar Dinge wissen. Dies hilft dann, nach dem richtigen Draht zu suchen.

Für anglerische Zwecke kommen in der Regel nur "rostfreie" Drähte aus Eisenwerkstoffen zum Einsatz. Dabei sind rostfreie Drähte (mehr als 13 % Chrom) genau genommen nicht rostfrei, sondern nur rostträge. Ein rostfreier Stahl ist auch nicht gleich ein Edelstahl (besonders geringer Schwefel- und Phosphorgehalt). Jeder kennt Begriffe wie V2A (1.4301), V4A (1.4401, seewasserbeständig) oder 18/8, 18/10 (V2A),..... Dies sind jedoch keine normgerechten Bezeichnungen. Trotzdem haben sie in Deutschland eine Tradition. In der Technik werden Eisenwerkstoffe mit sogenannten Werkstoffnummern bezeichnet. V2A hat z.B. die Werkstoffnummer 1.4301. Dabei stehen die Ziffern 43 für "nichtrostend".

Ein rostfreier Stahl ist nicht automatisch nicht magnetisch. Es gibt rostfreie Stähle die leicht magnetisch sind. Andere rostfreie Stähle sind nach der Erzeugung zwar nicht magnetisch, werden aber nach dem Walzen oder Ziehen (Draht) leicht magnetisch.

Drähte in den für uns brauchbaren Durchmessern werden gezogen. Das Drahtziehen ist eine Umformung. Eine Umformung verändert nicht nur die Form, sondern auch die mechanischen Eigenschaften. Mit zunehmendem Umformgrad steigt die Festigkeit. So kann ein und der selbe Drahtwerkstoff z.B. als 2 mm Draht gut und vielseitig biegbar sein, als 1,5 mm Draht kann er aber auch schon bruchanfällig sein. Drähte werden auch nach ihrer Härte/Festigkeit in weich, hart und federhart unterteilt.

Woher bekommt man also rostfreien Draht? Oft wird er im Handel gemeinhin als Edelstahldraht bezeichnet. Manchmal auch noch mit der Bezeichnung V2A, V4A oder 18/8 oder 18/10 versehen. Diese Drähte sind eher weich. Meistens werden sie in Ringen angeboten. Wenn man sie verformt, steigt die Festigkeit geringfügig an. Sie eignen sich für Ösen beim Bleigiessen oder bestenfalls als gedrehte Ösen für den Jerkbaitbau.

Es gibt Schweissdraht aus Edelstahl bzw. rostfreiem Stahl. Es gibt ihn auf Rollen oder als Stäbe. Für die Schweissdrähte gilt eigentlich das Gleiche wie im vorigen Absatz.

Dann gibt es die Gruppe der harten Drähte (Zugfestigkeit > 1250 N/mm²). Harte Drähte sind entweder besonders stark verformt wie z.B. ein klassischer Pianodraht oder durch besondere Legierungszusätze wird eine höhere Festigkeit erreicht. Letztere werden oft als Federstahldraht bezeichnet. Ein klassischer rostfreier Federstahl hat z.B. die Werkstoffnummer 1.4310. Man bekommt ihn als Ring oder in Stäben. Anbieter sind z.B. Federnhersteller wie Gutekunst, Stahlhändler wie Stahlbecker oder Drahtziehereien wie die Edelstahl Drahtzieherei Hillesheim. Als Ring liegen die Preise z.B. für einen 1,5 mm Draht bei etwa 25 € für 500 gr. bzw. ca. 40 m. Als gerader Stab liegt der Preis bei ca. 1,40 € bei Abnahme von 100 m oder mehr. Sie eignen sich hervorragend, für Spinnköder oder Harnisse von Swimbaits. Bei Ebay bekommt man die Meterstange für 1,80 € im Modellbaubereich.

Man bekommt rostfreie federharte Drähte auch im Dentallaborzubehörhandel, leider zu völlig übertriebenen Preisen.

Petri, Dietmar